Uhren in Katalogen

Seit den frühen Tagen der industriellen Uhrenproduktion in Russland gab es auch Uhren-Kataloge.

Es waren Kataloge für Uhrmacher, in denen die Werke mit all ihren Details aufgelistet waren. Ein Beispiel dafür ist der "Katalog von Uhrenersatzteilen", den es in mehreren Auflagen als gebundenes Buch gab.

Katalog von Uhrenersatzteilen 1
Katalog von Uhrenersatzteilen

Ferner gab es als Lose-Blatt-Sammlungen für Uhrmacher, die "Stückliste der Ersatzteile für Uhren".

Stueckliste der Ersatzteile fuer Uhren 1a Stueckliste der Ersatzteile fuer Uhren 1b
Stückliste der Ersatzteile für Uhren  

Und es gab eine große Anzahl von Katalogen in unterschiedlichen Ausführungen für den Vertrieb, in denen dem Käufer die produzierten Werke und ihr äußeres Erscheinungsbild mit Gehäuse und Zifferblatt gezeigt wurden.
Ich habe dafür ein Beispiel aus dem Jahr 1972 ausgewählt, das vier Modelle des "Kaliber 2414" von Slava zeigt.
Ferner ist auf dieser Seite die Vor- und Rückseite des Werkes der "ТРАНЗИСТОР" das "Slava-Kaliber 2937", abgebildet sowie die Modellausführung "293034" zu sehen. Es handelt sich dabei um den russischen Nachbau der "Bulova Accutron 2140"

Uhrenkatalog 1972
 Uhrenkatalog 1972

Die 6-stellige Ziffer für das Modell "29 30 34" besteht aus drei Ziffer-Paaren: Die ersten beiden Zahlen (29) stehen für die Gehäuseform, das zweite Ziffern-Paar (30) für die Oberflächen-Veredlung und die beiden letzten Zahlen (34) für Zifferblatt und Zeiger.

In den Nachkriegsjahren bis Anfang der 1960er hatten die russischen Uhren Namen (s.: Unterkapitel: "Uhren und ihre Namen"). Viele davon konnten aufgrund ihres Namens eindeutig einer Fabrik und einem bestimmten Kaliber zugeordnet werden. Bei anderen musste man den Deckel öffnen, um Kaliber und Fabrik zu bestimmen. Dafür ist die "ПОБЕДА" ein Beispiel. Es gab sie mit dem
Kaliber "2602" von Poljot, Slava, Raketa und ZIM
Kaliber "2603" aus der TTK 1 in Peterhof
Kaliber "2604" von ZIM
Kaliber "2608" von Poljot und ZIM

Schon in den frühen Katalogen war es üblich, die verschiedenen Ausführungen in Form und Zifferblatt mit Buchstaben und Zahlen zu kennzeichnen. Anfang der 1960er Jahre erhielten dann auch die Uhrwerke eine Nummer. Damit hatte jede Uhr einen klar definierten alphanumerischen Kode (s.: Unterkapitel: "Uhren und ihr Zahlencode").

Poljot 2614 2
Poljot, 2614_2Н

 

Sarja 2009 Sarja 2009 1
Sarja, 2009_П Sarja, 2009_Б

 

Raketa 2609 A I
Raketa, 2609_А.I

 

Lutsch 1801 I 1
Lutsch, 1801_I.К1

Die Bezeichnung "2Н" der Poljot 2614 steht für die dritte konstruktionsbedingte Änderung des Basiskalibers.

Die Bezeichnung "Б" der Sarja 2009 steht für die zweite Modernisierung einzelner Komponenten, die mit den älteren Teilen nicht mehr austauschbar sind.

Die Bezeichnung "П" der Sarja 2009 steht für "Präzision", der höchsten Stufe einer verbesserten Ganggenauigkeit gegenüber dem Basiskaliber.

Bei der Bezeichnung "А.I" der Raketa 2609 steht das "А" für die erste Modernisierung einzelner Komponenten, die mit den älteren Teilen nicht mehr austauschbar sind, und die "I" für die erste Stufe einer verbesserten Ganggenauigkeit gegenüber dem Basiskaliber.

Bei der Bezeichnung "I.К1" der Lutsch 1801 "I.К1" steht das "I" wiederum für die erste Stufe einer verbesserten Ganggenauigkeit gegenüber dem Basiskaliber und der Zusatz "К1" dafür, dass dieses Werk einen Stein (КАМЕНЪ) mehr hat als das Basiskaliber.

Die mir vorliegenden Uhren-Kataloge geben einen (fast) lückenlosen Überblick über die in der Sowjetunion der Nachkriegszeit hergestellten Uhren. Die Vielfalt der Gehäuseformen und Zifferblätter ist zu groß, um sie hier darzustellen.

Ich beschränke mich in diesem Unterkapitel auf das, was jeder Sammler erst auf den zweiten Blick erkennen kann, auf die Werke, die in den Uhren ticken. Eine umfassende Auflistung bietet Charintonschuk in seinem 1986 veröffentlichten Buch: "Bau und Reparatur von Uhren".

Charitontschuk 1 Charitontschuk 2
Charintonschuk 1 Charintonschuk 2

Dieses Buch, wie auch alle anderen Kataloge zeigen die jeweils aktuellen Kaliber. Sie sind also eine Moment-Aufnahme. Damit sind die Vorgänger- und Nachfolger-Modelle nicht erkennbar.

Mit dem Unterkapitel "Uhren in Katalogen" versuche ich einen bebilderten Überblick zu geben über die mechanischen Uhrwerke (Kaliber), die in der Nachkriegszeit in der Sowjetunion gebaut wurden.
Dabei beziehe ich mich auf die Systematik, die Charintonschuk für Veränderungen an den verschiedenen Basis-Kalibern beschrieben hat, auf die Werke, die ich in meiner Sammlung habe, und auf die mir vorliegenden Kataloge.
Das Forum unserer italienischen Uhrenfreunde hat auf seiner Homepage neben vielen anderen Dokumenten auch fast 100 russische Uhrenkataloge veröffentlicht: "www.cccp-forum.it".