Pilotseminar zur Veredelung bei Lang & Heyne in Dresden

Kaliber 5 von Lang & HeyneAm letzten Januarwochenende trafen sich die Seminarleiter und Fachreferenten der bisherigen Armbanduhrseminare des Fachkreises Armbanduhren bei der Uhrenmanufaktur Lang & Heyne in Dresden. Unter Anleitung von Firmeninhaber Marco Lang und dem Uhrmachermeister Alexander Klar sollten sie in die Techniken und Geheimnisse der Veredelung von Uhrwerken eingeweiht werden und evaluieren welche Techniken für ein zukünftiges Seminar des Fachkreises Armbanduhren geeignet wären. Auf dem Programm bei Lang & Heyne standen Techniken wie Anreibeversilberung, Sonnenschliff und die Finissierung von Schrauben.

Am Freitagnachmittag führte Marco Lang durch die Räume der Uhrenmanufaktur in einer historischen Villa in Dresden. Die Fertigungstiefe reicht dabei von der CNC Bearbeitung der Grundplatten der Kaliber über die Herstellung von Unruhreifen und Zahnrädern bis zu den unterschiedlichsten Veredelungen. Die Veredelungstechniken beginnen beim Strahlen der Oberflächen, der Anglierung der Einzelteile und gehen über die Handgravur von Zeigern und Kloben bis hin zum galvanischen Oberflächenfinish.

Nach einem kurzen Pausenkaffee ging es dann an die Arbeit. Ausgestattet mit je einem Unruhkloben konnten sich die Seminarteilnehmer an einer Anreibeversilberung üben. Herr Lang zeigte wie die zu versilbernden Oberflächen vorgeschliffen, gekratzt und anschließend die Silberschicht mit einer Schweinsborsten-Bürste angerieben wird. Das Silber wird dabei aus einer Mischung aus Kochsalz, Weinstein und Silberpulver auf den Messingoberflächen abgeschieden. Der Vorgang sieht beeindruckend einfach aus, eine saubere Oberfläche ohne Schatten und kleine Kratzer ist jedoch gar nicht so einfach zu erreichen. Je nach Dauer des Anreibens, Vor- und Nachbehandlung der Oberfläche können zudem leicht unterschiedliche Farben und Oberflächen erzielt werden.

Nachdem alle Teilnehmer ihren Kloben versilbert hatten, ging es weiter zum nächsten Schritt der Veredelung, dem Versäubern der seitlichen Flächen des Klobens. Dazu werden mit feinen Schleifwerkzeugen alle Unregelmäßigkeiten entfernt ohne jedoch die Form des Klobens zu verändern. Herr Lang zeigte die Vorgehensweise und alle Teilnehmer konnten wieder an ihrem Kloben üben.DSCN2363_web

Am nächsten Tag stand die Finissierung von Schrauben auf dem Programm. Im Lieferzustand sind die vergüteten Schrauben unansehnlich dunkelgrau. Daher wird zuerst die Schraubenspitze leicht ballig geschliffen und poliert, anschließend werden die Unterseite des Schraubenkopfes und das Gewinde in der Drehbank mit einer Ziegenhaarbürste und etwas Polierpaste sauber poliert. Marco Lang zeigte uns wieder die beste Vorgehensweise, um alle Flächen sauber zu polieren ohne jedoch die Kanten und das Gewinde zu sehr zu verrunden. Die Veredelung des Gewindestifts und der Kopfunterseite ist der einfachere Teil der Arbeit an einer Schraube. Der Schraubenkopf, er soll später ja noch gebläut werden, ist wesentlich anspruchsvoller. Zuerst wird der Schraubenschlitz wieder mit einer Ziegenhaarbürste poliert. Dabei wird der Schlitz in zwei Durchgängen jeweils von der Mitte ausgehend poliert, nur so können die Kanten sauber erhalten werden. Nachdem der Schlitz poliert ist, werden die Mantelfläche des Schraubenkopfes geschliffen und der Kopf gefast. Mit einem mit Öl benetztem Degussit-Stein werden die Flächen geschliffen. Durch das Öl auf der Oberfläche kann unter dem Mikroskop beobachtet werden, ob der Schleifstein vollflächig auf der Oberfläche aufliegt. Sauber definierte Flächen und eine schöne Oberfläche sind hier wirklich schwierig zu erreichen und haben manchem Seminarteilnehmer den einen oder anderen Schweißtropfen gekostet. Mit Tipps und Hilfe von Marco Lang und Alexander Klar konnten jedoch alle Seminarteilnehmer ein vorzeigbares Ergebnis erzielen.RIMG0077_web
Um die Finissierung der Schraube zu vollenden, mussten jetzt nur noch der Schlitz angliert und der Schraubenkopf auf einer Zinnplatte auf Hochglanz poliert werden. Das hört sich wieder einfach an, ist es aber nicht. Der Schraubenschlitz wird mit einem kleinen Vierkant-Degussit-Schleifstein angliert, dabei muss die Schraube mit der Pinzette gehalten und so über den Schleifstein geführt werden, dass zwei symmetrische Fasen entstehen. Immerhin hat keiner seine Schraube verloren.
Nun musste nur noch die Kopffläche poliert werden. Dazu wird die Schraube zuerst "grob" vorgeschliffen, entweder mit einem Diamamtschleifpapier oder mit Schleifpaste auf einer Glasplatte. Wichtig ist hier eine plane Fläche zu erzielen ohne die vorher mühsam hergestellten Fasen an Aussenkante und Schlitz wieder wegzuschleifen. Danach kommt nur noch die Politur auf einer Zinnplatte. Diese muss ganz sauber sein, falls noch grobe Schleifkörner darauf wären, würde die zu polierende Fläche wieder zerkratzt werden. Dies hat Marco Lang zwar ungewollt aber eindrucksvoll vorgeführt. Poliert wird dann zuerst mit grobem Korn und als letzter Schritt erfolgt die Politur mit 0,25 Mikrometer Diamantpaste. Die Schraube wird wieder mit der Pinzette gehalten und die Kopffläche mit ganz kleinen kreisenden Bewegungen poliert. Die plane Auflage der Kopffläche kann über den gleichmäßig schwarzen Abrieb auf der Zinnplatte beobachtet werden, helle Striche im Abrieb deuten auf ein leichtes Verkanten der Schraube hin, die ergibt dann keine sauber polierte Fläche. Nach fast vier Stunden hatte jeder Teilnehmer seine Schraube poliert, nun müsste sie noch gereinigt und gebläut werden. Bei Lang & Heyne werden für diese Finissierung einer einzelnen Schraube 35 Minuten benötigt, was zeigt wie viel Wert hier auf die Veredelung und die Handarbeit in jedem Uhrwerk gelegt wird.
Insgesamt verging auch der zweite Tag des Seminars wie im Flug, zwischen konzentriertem Arbeiten am Werktisch und dem Fachgespräch zwischendurch.

Vielen Dank an Marco Lang für die Durchführung des Seminars und an Alexander Klar für die Mithilfe dabei. Auch allen anderen Mitarbeitern der Uhrenmanufaktur Lang & Heyne sei für die Anwesenheit und die kurzen Vorführungen am Freitag-Nachmittag gedankt. Einige der Techniken dieser beiden Tage werden sicher in einem spannenden Veredelungsseminar des Fachkreises Armbanduhren unter der Anleitung von Uhrmachermeistern/Fachlehrern der staatlichen Uhrmacherschule in Glashütte gezeigt werden.